Rad EhrenfriedBaltikum 2008
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Ostsee: Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Estland
insgesamt 2609 km und 8898 Höhenmeter.
(Bericht von Ehrenfried)
 


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Statistik:

Datum

Strecke

Entfernung

Durchschn

Höhenmeter

km

km/h

m

19.06.

Bad Kleinen-Wismar-Werder(Halbinsel)

50

15,5

225

20.06.

Werder-Rerik-Kühlungsborb-Börgerende

48

15,1

241

21.06.

Börgerende-Doberan-Warnemünde-GraalMüritz

52

15

152

22.06.

GraalMüritz-Dierhagen-Born(Darß)-Barth

62

15

82

23.06.

Barth-Stralsund-Reinberg-Stahlbrode

75

15,1

278

24.06.

Stahlbrode-Greifswald-Lubmin-Freest

65

15

191

25.06.

Freest-Peenemünde-Kösrow-Ükeritz

35

12,3

141

26.06.

Ükeritz-Heringsdorf-Swinemünde-Dziwnowesk

68

14,7

259

27.06.

Dziwnowesk-Trzebiatow-Mrzezyno-Kolobrzeg

71

16,3

146

28.06.

Kolobrzeg-Koszalin-Darlowo

85

16,9

311

29.06.

Darlowo-Ustka-Rowy

65

16,3

291

30.06.

Rowy-Luki-Leba

59

12,3

99

01.07.

Leba

22

14,7

21

02.07.

Leba-Chozewo-Karvia-Jasterzebia

83

14,8

511

03.07.

Jasterzebia-Hel-Danzig-Stogi

59

13,5

143

04.07.

Stogi-Orunia-Ledowo-Kiezmark-Marlbork

84

15,7

138

05.07.

Marlbork-Elblag

42

14,7

110

06.07.

Elblag-Kanal-Bucznic-Morag-Kretowny

46

15

305

07.07.

Kretowny-DobreMiasto-Lutry

75

16,1

560

08.07.

Lutry-Swilipka-Ketrzyn-Gizycko

91

16,5

585

09.07.

Gizycko-Olecko-Suwalki

95

17,7

526

10.07.

Suwalki-Sejny-Lazdijai-Krosna-Alytus

122

18

638

11.07.

Alytus-Punia-Prienai-Kaunas

95

18

376

12.07.

Kaunas-Smirsnemune(10km vor Jurbarkas)

86

15,8

284

13.07.

Smirsnemune-Jurbarkas-Visevile

42

17,3

107

14.07.

Visevile-Silute-Klaipeda-Juodkrante

32

15,1

69

15.07.

Juodkrante-Nida

46

14,5

162

16.07.

Nida-Klaipeda-Palanga

90

17,2

220

17.07.

Palanga-Liepaja

73

17,8

76

18.07.

Liepaja-Riga

9

11,8

14

19.07.

Riga-Bergi-Garkalne-Ragana-Limbazi

103

17,1

463

20.07.

Limbazi-Pale-Ainazi-Tahkuranna

109

18,9

156

21.07.

Tahkuranna-Pärnu-Tostamaa

89

17,6

107

22.07.

Tostamaa-Virtsu-Orisaara

82

15,8

162

23.07.

Orisaare-Laimjale-Kaala-Nurste

98

17,8

164

24.07.

Nurste-Kopu-Malvaste-Kärdla-Sääre

94

17,8

212

25.07.

Sääre-Haltermaa-Volgevalja-Haapsalu-Tallinn

42

16,1

81

26.07.

Tallinn

0

27.07.

Tallinn-Frankfurt-Mühltal

65

16,1

292

Gesamt

2609

8898

Bericht:

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Teil 1, Deutschland

Unsere ursprünglich für den 16.06. geplante Abfahrt verschob sich kurzfristig aus technischen Gründen auf den 19.06.. Ich wurde frühmorgens mit einem etwas mulmigen Gefühl wach, das Fieberthermometer zeigte 38 Grad. Die Abfahrt wieder verschieben? Ich entschloss mich, dann doch noch zu starten, und so ging es mit dem Zug nach Bad Kleinen. Von dort fuhren wir über Viecheln, Dorf Mecklenburg bis Wismar den Elbe-Ostsee-Radweg. Wismar ist eine ausgesprochen schöne Hansestadt. Den Marktplatz säumen prächtige Hansehäuser und auch in den Nebenstrassen zeugen kunstvolle Bauten von dem einstigen Reichtum dieser Hansstadt. Leider war die Zeit knapp bemessen, der nächste Campingplatz befindet sich noch einige Kilometer entfernt auf der Halbinsel Werder. Die Enttäuschung groß: auf dem Campingplatz gibt es keine Einkaufsmöglichkeit, kein Restaurant und kaum Campingbesucher. Der nächste Laden ist wohl mindestens 10 km entfernt!

20.06. Mein Fieber ist leider nicht besser geworden und so fahren wir relativ langsam. Schon bei kleinen Steigungen bin ich schnell erschöpft. Wir fahren heute den Ostseeradweg über Kühlungsborn bis Börgerende. Kühlungsborn ist ein altehrwürdiger, mondäner Badeort aus der Jahrhundertwende. An der Strandpromenade reihen sich prachtvolle Hotels mit teilweise teuer klingenden Namen neben Pensionen mit nicht weniger aufwendigen Fassaden. In Börgerende kommen wir auf dem wohl schönsten Campingplatz während unserer Tour unter.

21.06. Heute muß ich doch einen Arzt aufsuchen, glücklicherweise nur eine Virusinfektion, soll mich schonen! An Rostock fahren wir aus Zeitgründen vorbei. Bis Warnemünde geht es auf Nebenstrassen, ab dort wieder auf dem landschaftlich sehr schönem Ostseeradweg. In Warnemünde ist der Teufel los, Menschen über Menschen auf der Kurpromenade, unglaublich, ist ja auch Wochenende. Auf dem Zeltplatz in Graal-Müritz ist ebenfalls viel los, viele Jugendliche und dementsprechend laut.

22.06. Heute ging es über die Halbinsel Darß. Am Strand stehen schmucke reedgedeckte Häuser, alle sehr gepflegt. Später führt der Ostseeradweg durch die Boddenlandschaft, eine flache mit kleinen Seen durchzogene Schilflandschaft. Wirklich ein Augenschmaus, der zu mehreren kleinen Pausen führte. Mittags gab es in einer Fischräucherei frisch geräucherten Butterfisch - eine Delikatesse!

23.06. Das Wetter hatte sich etwas verschlechtert, kalt und kurze Schauer, aber Wind vorwiegend seitlich oder von hinten. In Stralsund ist eine Besichtigung des Marktplatzes mit hübschen alten Patrizierhäusern und der angrenzenden Nikolaikirche unbedingt zu empfehlen

24.06. Hinter Stahlbrode begann erst mal wieder für 10 km die nervende Kopfsteinpflasterstraße, dann ging der Ostseeradweg wechselnd durch Wald und Feld vorwiegend auf Nebenstraßen entlang. Mittags Besichtigung von Greifswald, diese sollte man nicht versäumen.

25.06. Mit der Fähre fahren wir nach Peenemünde. Dort besichtigen wir als erstes ein sowjetisches U-Boot, Klettern in einem Gewirr von Stahl durch 80 cm große Luken, ein kleines Abenteuer. Der anschließende Museumsbesuch in Peenemünde hat uns etwas enttäuscht. Danach ging es weiter, vorwiegend auf Waldwegen, landschaftlich nicht so berauschend.

26.06. Auf der deutschen Seite führt der Ostseeradweg entlang des Strandes, vorbei an wilden Heckenrosen. In den bekannten Badeorten stehen an der Promenade prächtige Villen. Der Grenzübergang nach Polen ist ein unspektakulärer Sandweg. Das soll mal eine Grenze gewesen sein? Auf der polnischen Seite gibt es keinen Radweg, wir fahren jetzt vorwiegend auf der Nationalstraße. In Dziwnowesk gibt es immerhin 5 Campigplätze. Wir treffen mit dem letzten Platz, DCC, eine gute Wahl.

Teil 2, Polen:

Allgemein: Ich fahre auf meinen Radtouren immer mit einer deutschen Nationalfahne. Dadurch waren wir leicht als Deutsche zu erkennen. Die Folge waren Hitlerzurufe und einmal wurde uns auch der nackte Arsch gezeigt, im allgemeinen von 10-16 jährigen Kindern. Und das sollen mal die Leute sein, die durch die EU mit uns zusammen arbeiten wollen! Zeitweise haben wir uns dadurch in Polen nicht sehr wohl gefühlt. Ein Lehrer erklärte uns später, daß im polnischen Geschichtsunterricht sehr auf die leidvolle Vergangenheit der Polen eingegangen wird. Aber etwas mehr Freundlichkeit hätte ich mir doch gewünscht!

27.06. Bis Trzebiatow fuhren wir auf der N102, Verkehr hält sich in Grenzen. In Trzebiatow ist die gotische Marienkirche sehenswert, ein Bau in der hier üblichen Backsteingotik, innen mäßig aber stilvoll verziert. Danach geht es auf Nebenstraße (Beton mit Querfugen) weiter nach Kolobrzeg. Kolobrzeg ist wenig berauschend.

28.06. Bis hinter Koszalin fuhren wir auf der Hauptverkehrsstraße mit viel Verkehr. Hinter Koszalin sind wir auf die Nebenstraße abgebogen nach Darlowo. War aber auch nicht optimal, da der Randstreifen stark ausgefahren und wellig ist. In Darlowo haben wir wegen des starken Regens ein Privatquartier für 22 EUR p.P. gefunden.

29.06. In Darlowo lohnt sich auf jeden Fall ein Gang über den Marktplatz mit dem Rathaus von 1725. Eine Besichtigung der gotischen Pfarrkirche mit ihrem schönen Sternengewölbe darf nicht versäumt werden. Bis Ustka ging es auf mäßig befahrener Straße, danach wieder auf reiner Nebenstraße bis nach Rowy, ein typischer polnischer Touristenort mit viel Rummel.

30.06. Gleich hinter Rowy beginnt ein wunderschönes Naturschutzgebiet, kostet auch 2 EUR Eintritt, es lohnt sich aber mit dem Fahrrad hier durchzufahren. Trotz örtlicher Landkarte findet man allerdings nicht immer den kürzesten Weg, Ausschilderungen sind Mangelware. In Luki wollten wir mit der Fähre nach Leba, diese scheint aber nur einmal monatlich oder seltener zu verkehren. Nach Luki fuhren wir auf einem abenteuerlichen Wiesenweg (Radweg R10!) weiter, teilweise auch über Fließsand, abenteuerlich aber schön! Leba ist ein hässlicher Touristenort mit immerhin 5 Zeltplätzen.

01.07. Vormittags Waschtag, nachmittags Ausflug in die Wanderdünen von Leba, 50 m hohe Wanderdünen, die sich Jahr für Jahr mehrere Meter in die Kiefernwälder hineinschieben. Diese wüstenähnliche Landschaft ist von einzigartiger Schönheit.

02.07. Den ganzen Tag schien die Sonne mit Wind aus Osten, also von vorn! Sehr schöne Strecke auf Nebenstraßen mit Alleencharakter.

03.07. Die Fahrt auf der Nebenstraße findet hier schnell die Fortsetzung auf einem Radweg bis zur Spitze der Halbinsel Hel. Der Radweg bietet meistens einen berauschenden Blick auf die Danziger Bucht, später führt er durch ein Waldgelände mit kurzen Wellen, die man fast ohne zu schalten mit Schwung fahren kann. In Hel mussten wir zwei Stunden auf die Fähre nach Danzig warten - in einem Fischlokal mit leckerem Fisch. Nach der Überfahrt besichtigen wir noch Danzig, eine faszinierende Stadt mit alten Handelshäusern, dem berühmten hölzernen Krantor, gigantischen Gebäuden und vielen Bernsteinläden. Besonders schön ist der lange Markt. Erst spät am Abend erreichen wir den Campingplatz in Danzig-Stogi.

04.07. Aus Danzig sind wir dank eines Stadtplanes gut rausgekommen. Erst ging es auf Kopfsteinpflaster von 1032, später waren die Nebenstraßen mal schlechter, selten besser. Den auf unserer Karte verzeichneten Übergang über die Vista gab es nicht, auch eine Furt war nicht zu entdecken, also ein Umweg über die A7 erforderlich. Dann weiter durch schöne Alleen bis nach Marlbork. In Marlbork gibt es mehrere Campingplätze, den direkt neben der Marienburg sollte man nicht anfahren, die Campingplätze im Ort sind wesentlich besser!

05.07. Frühmorgens Besichtigung der vorbildlich wiederhergestellten Deutschordensburg. Seit 1309 war sie die Residenz der Hochmeister des Deutschen Ordens. Heute steht sie auf der Weltkulturerbeliste der Unesco. Danach Weiterfahrt auf Hauptstraßen nach Elblag. Der Campingplatz liegt dort direkt am Oberländischen Kanal.

06.07. Heute mussten wir früh raus! Wir hatten eine Bootsfahrt über den Oberländer Kanal geplant. Dieser Wasserweg ist ein Wunder der Technik des 19. Jhs: eine Wasserstraße, auf der man mit dem Schiff quasi über Gras fahren/schwimmen kann. Auf seiner Fahrt bewältigt das Schiff einen Höhenunterschied von ca 100 m auf wasserkraftgetriebenen Gleitkarren, einmalig in Europa. Wir hatten nicht reserviert und mussten mindestens 30 Minuten vor Abfahrt an der Anlegestelle sein, also 7:30 Uhr. Vorher Zelt einpacken usw., das dauert schon so seine Zeit. Nach langer und zäher Diskussion konnten wir dann 2 Minuten vor Abfahrt unsere Fahrräder auf ein Boot verladen und so begann eine wirklich empfehlenswerte Bootsfahrt. Auf den ersten Kilometern gleitet das Boot durch weite Seelandschaften bis es dann auf Karren den Berg hinauf gezogen wird. Nach der Bootsfahrt ging es auf Nebenstraßen bis Zum Zeltplatz in Kretowny, der leider etwas vernachlässigt ist.

07.07. Frühmorgens Regen, außerdem musste Bernd einige Kleinreparaturen am Rad vornehmen. So starteten wir erst gegen 11:00 Uhr. Wir fuhren auf Nebenstraßen, später auf der 593 mit erfreulich wenig Verkehr über schöne Alleen, abwechslungsreiche hügelige Landschaft, kleine Seen - so richtig, wie man sich Masuren vorstellt. In Lutry übernachteten wir in einem Privatquartier für 70 Zloty, ca 21 EUR für 2 Personen.

08.07. Die Route verlief erst auf der 594, dann 592, mäßig befahrenen Hauptstraßen, vielfach mit Alleencharakter. Die Landschaft war leicht hügelig mit vielen kleinen Seen. Morgens besichtigten wir das schönste Barockkloster Polens - Heiligenlinde, insbesondere berühmt durch das tägliche Orgelkonzert (11:30 Uhr). Bei diesem Orgelkonzert bewegen sich die Altarfiguren zu  der Musik. Nachmittags besichtigten wir noch die Wolfsschanze, das ehemalige Führerhauptquartier, in welchem im Juli 1944 Graf von Stauffenberg das missglückte Attentat auf den Führer unternahm. Bei der Besichtigung der gesprengten Bunkeranlagen beschlich uns ein beklemmendes Gefühl in dem Wissen an diese dunkle Vergangenheit von Deutschland.

09.07. Die Weiterfahrt erfolgt i.W. auf mäßig befahrenen Hauptstrassen mit überraschend guter Oberflächenbeschaffenheit. Wir fuhren durch weniger Alleen, dafür hatten wir mehr Fernblicke in die Seenlandschaft. Wegen unbeständigem Wetter nahmen wir in Suwalki ein Privatquartier

10.07. In Sejny besichtigten wir noch die spätbarocke Wallfahrtskirche, lohnt sich. Dann ging es weiter auf der 653 bis zur Grenze nach Litauen. Wenige Meter vor der Grenze konnten wir noch unsere letzten Zloty in litauische Kronen umwechseln. An den Grenzen der drei baltischen Staaten gibt es sonst keine Umtauschmöglichkeiten!

Teil 3, Litauen, Lettland, Estland:

Allgemein: Die drei baltischen Staaten sind relativ dünn besiedelt, die Bevölkerung konzentriert sich in den wenigen größeren Städten. Mit dem Fahrrad fährt man lange Zeit durch waldreiche Gebiete, gelegentlich durch einzelne Höfe unterbrochen. Die Bevölkerung ist Deutschen gegenüber sehr aufgeschlossen und hilfsbereit.

In Litauen ging die Fahrt zuerst weiter auf der 132 bis Lazddijai, dort bogen wir ab auf eine Nebenstraße Richtung Krosna, eine leicht hügelige Landschaft, viele Wiesen, kaum Autos. Als wir einmal anhielten, hörten wir nur das Summen der Insekten. Nachmittags gegen 16:00 Uhr fuhren wir an einem Zeltplatz vorbei. Da wir kaum litauisches Geld hatten, fuhren wir weiter. Im nächsten Ort gab es allerdings weder ein Unterkunft noch ein Geldinstitut. Wir entschlossen uns jetzt, die Nebenstrecke zu verlassen und fuhren auf der Hauptstrasse mit viel LKW-Verkehr noch bis Alytus. Dort fanden wir gegen 20:00 Uhr noch ein Hotel und einen Geldautomaten.

11.07. Von Alytus bis Punia ging es weiter auf der Hauptstraße 129 mit mäßigem Verkehr. Der auf unserer Karte verzeichneten Radweg ab Punia gibt es nicht, daher weiter auf den Hauptstraßen A16/130 bis hinter Prinai, war nervig. Die letzten 30 km bogen wir ab auf eine etwas längere Nebenstraße, war auf jeden Fall richtig entschieden! Vor Kaunas nahm auch hier der Verkehr zu und die letzten 10km bis in die Innenstadt war eine Tortur. Extrem rücksichtslos überholten uns die Fahrer der öffentlichen Busse! Übernachtung in Kaunas ist relativ teuer, wir fanden ein Appartement für 150 Lts, ca 45 EUR. Abends noch Stadtbesichtigung und Altstadt.

12.07. Heute ging es Richtung Westen, Fernziel Kleipeda. I.W. fuhren wir auf der 141 mit viel Verkehr, der nachmittags wegen des Wochenendes etwas nachließ. Der Wind war allerdings den ganzen Tag gegen uns. Wir campierten auf einem Campingplatz ca 15 km vor Jurbarkas, der allerdings erst im Aufbau war. Daher noch mit Dusche im Holzverschlag und einem Plumpsklo. Kam uns ganz schön abenteuerlich vor. Der Besitzer des Platzes ist sehr hilfsbereit, es war für ihn selbstverständlich, daß er uns mit dem Auto in den nächsten Ort zum Einkaufen fuhr, danke.

13.07. Wegen Regen sind wir erst sehr spät aufgebrochen. In Visevile wollten wir uns ein Quartier suchen. Die Ortsbewohner schickten uns vor und zurück, leider gab es absolut keine Herberge. Bei der Suche hatte uns schon ein jüngerer Mann geholfen, den wir dann wieder getroffen haben. Er bot uns an, daß wir bei ihm im Garten unsere Zelte aufschlagen konnten. Wunderbarer Rasen, direkt an einem See gelegen, ein wirklich schöner Platz.

14.07. Frühmorgens wurden wir durch Tropfengeräusche wach - Dauerregen!! Nach einiger Warterei fragten wir den Garteneigentümer nach einer Möglichkeit weiter zu kommen. Er organisierte seinen Vater, der einen Kleintransporter fuhr. Er brachte uns freundlicherweise bis nach Silute. Wir durften ihm gerade das Benzingeld erstatten, mehr ließ er nicht zu. Jedenfalls vielen, vielen Dank! Von Silute wollten wir mit der Fähre nach Nida fahren. In der Touristinfo erfuhren wir, daß aus allen naheliegenden Häfen in den nächsten Tagen keine Fähren fahren wegen des schlechten Wetters. In Silute wollten wir auch nicht bleiben, also versuchten wir ein öffentliches Verkehrsmittel in Richtung Klaipeda zu finden. Ein Zug fuhr erst am nächsten Tag, also versuchten wir es mit dem Bus. Der erste Bus war zu klein, der zweite war größer und hatte ein Unterflurgepäckabteil. Mit Vorderrad raus, Gepäck total abnehmen, Lenker schräg stellen usw. konnten wir unsere Räder im Bus verstauen und kamen so trocken in Klaipeda an. Der Regen hatte zwischenzeitlich aufgehört und wir fuhren noch auf die Kurische Nehrung bis Juodkrante.

15.07. Heute ein Fastruhetag. Wir fuhren mit vielen Pausen vorbei an Dünen und durch eine ruhige, schöne Landschaft bis nach Nida. Mittags kehrten wir noch in ein Fischrestaurant ein, die es hier in großer Zahl gibt. Auf dem Zeltplatz in Nida mussten wir immerhin 40 Lts (ca 14 EUR) pro Person berappen, wahrlich westliche Preise! Sowohl auf dem Zeltplatz und als auch in Nida waren fast nur Deutsche, die Litauer meiden wohl dies teure Pflaster. Die Restaurants in Nida gehörten ebenfalls zu den hochpreisigen. Abends noch ein wenig durch Nida geschlendert.

16.07. Das Thomas-Mann-Haus in Nida sieht wie ein typisches Haus auf der Kurischen Nehrung aus. Naja, wir haben es wenigstens gesehen! Frühmorgens fuhren wir auf dem wunderschönen Radweg über die Kurische Nehrung, mittags noch kurz durch Klaipeda, das Ännchen von Tharau muß man gesehen haben. Dann weiter bis Palanga i.W. auf dem RadwegNr. 10. Zwischendurch haben wir den Radweg wegen mangelnder Beschilderung verloren, nach etwa 10 km trafen wir wieder auf ihn. In Palanga nahmen wir den ersten Zeltplatz, wir wussten nicht, daß dort noch 5 weitere Plätze kommen. Für etwa 8 EUR pro Person konnten wir immerhin einen Wassereimer zum Waschen benutzen, die "Toilette" benutzten wir nicht, da war uns die freie Natur doch lieber. Aber der Zeltplatz war immerhin von Litauern gut besucht, eben andere Ansprüche an die sanitären Bedingungen.

17.07. Auf litauischer Seite fuhren wir fast bis zur Grenze einen ruhigen Radweg, auf lettischer Seite ging es über eine stinklangweilige Strasse (A11) bis nach Liepaja. Die Strasse verläuft fast nur geradeaus, keine Siedlungen, nur rechts Wald und links Wald, die Autos sieht man schon in 5 km Entfernung, selten eine Straßenkreuzung. In Liepaja finden wir ein Hostel für ca 33 EUR für 2 Personen.

18.07. Wegen langweiliger Strecke nehmen wir den Zug bis Riga, es fährt allerdings nur ein Zug täglich, frühmorgens 6:00 Uhr! Dafür sind wir dann schon kurz nach 9:00 Uhr in Riga. Nachdem wir unsere Zelte auf dem Campingplatz in Riga aufgeschlagen haben, erleben wir nachmittags eine wirklich schöne sehenswerte Stadt mit interessanten Jugendstilhäusern, Klassizismus, riesige sakrale Gebäude und bunten Markthallen.

19.07. Aus Riga fuhren wir auf der Brivibas-iela bis Bergi. Früher war diese Straße sicher eine bevorzugte reiche Wohnstraße, davon zeugen die zahlreichen prachtvollen Jugendstilhäuser. Heute ist diese Straße eine 6-spurige Autostraße mit viel Verkehr, eine Entwicklung im mobilen Zeitalter. Ab Bergi ging es auf Nebenstrassen vorbei an einem See mit riesigen Villen für reiche Vorstadtbewohner Rigas. Später ging es auf die Autobahn A2, ging recht gut auf dem 2,50m breiten Standstreifen. Erlaubt? Der Radführer wies hier einen Radweg aus. Bis Ragana dann die A3, ab Ragana die P9 mit relativ wenig Verkehr. In Birini besichtigten wir kurz das prächtige, neogotische Schloss Birinu aus dem 19. Jhd. Dann weiter in das fast tote Kaff Limbazi. Der Zeltplatz in 100m Entfernung war beim besten Willen nicht zu finden, das Hotel in 200m Entfernung gab es ebensowenig. Wir fanden schließlich ein Hotel, welches erst 1 Woche später Eröffnung hat, durften aber dort übernachten. Immerhin gibt es in Limbazi drei Lebensmittelgeschäfte, aber kein Restaurant.

20.07. Von Limbazi bis etwa 10 km vor Salacgriva fuhren wir bei schönstem Wetter auf einer leeren asphaltierten Nebenstrasse. Dann sahen wir in der Ferne eine riesige Staubwolke. Jetzt ging es 7 km über eine staubige Schotterpiste, die letzten Kilometer bis Tahkuranna fuhren wir wieder auf der Hauptstraße.
Später trafen wir Radfahrer, die die in diesem Bereich die Hauptstraße A1 gefahren sind. Geht auch, wenn man viel Verkehr ertragen kann, ich würde die etwas längere Nebenstrecke jederzeit vorziehen. Die Baustellen auf der Hauptstraße, die im aktuellen Radführer erwähnt werden, gibt es nicht mehr.

21.07. Heute folgten wir dem Radweg Eurovelo1, bis Pärnu Hauptstraße, dabach Nebenstraßen, alles Asphalt. Wir wollten in Tostamaa übernachten, dort gab es allerdings keine Möglichkeit, erst 10 km weiter fanden wir ein Hostel für ca 33 EUR pro Person, etwas zu teuer für den Gegenwert.

22.07. Auf ruhiger Nebenstraße ging es weiter auf dem hier gut ausgeschilderten Eurovelo1. Kurz vor Virtsu ging es ca 2 km über Staubschotter, gräßlich. Ich dachte, mein Vorderrad ist locker. Aber besser bei Trockenheit über eine solche Straße als bei Regen durch Matsch. Dann ging es noch ca 10 km auf festem Waldweg, bis wir in Virtsu die Fähre nach der Insel Muhu-Saar erreichten. Auf Muhu-Saar sollte man auf jeden Fall den etwas weiteren Radweg durch den Norden dieser Insel fahren, erst bunte Wiesen, später fast Tundralandschaft, sehr interessant und abwechslungsreich. Auf die Insel Saaremaa fuhren wir über eine Brücke bei steifen Gegenwind. In Orisaare suchten wir wegen des regnerischen Wetter ein festes Quartier.

23.07. Auf Eurovelo1 ging es bis Kaala immer durch Wald. In Kaala befindet sich ein Riesenkrater von ca 100 m Durchmesser. Dort ist zur Steinzeit ein Meteorit eingeschlagen. Auf der Weiterfahrt nach Kuresaareimmer durch Wald-Wald-Wald kehrten wir schließlich um zur Fähre nach Leisi zur Insel Hiiuma. Nach der Fähre fuhren wir noch etwa 10km, bis wir einen super Zeltplatz fanden.

24.07. Auf der einsamen Hauptstraße -rechts Wald, links Wald- fuhren wir bis zum Leuchtturm von Korpu, der älteste Leuchtturm an der Ostsee. Dann fuhren wir den Zeltplatz bei Malvaste an, ein herrlich gelegener Platz, aber auf dem ganzen Weg fanden wir keinen einzigen Einkaufsladen, und auf dem Zeltplatz gab es auch nichts zu kaufen. Also weiter nach Kärdla. Nach dem Einkauf fuhren wir zum nächsten Zeltplatz, total ausgebucht wegen einer Hochzeit. Den nächsten Zeltplatz bei Sääre fanden wir mehr durch Zufall, nachdem wir zweimal vorbei gefahren waren. An der Straße war nur ein Hinweis auf einen Rastplatz.

25.07. Gemütlich rollten wir frühmorgens zur Fähre in Helterma nach Haapsalu, welche erst um die Mittagszeit fuhr. In Haapsalu besichtigten wir die alte sehenswerte Festung, bis wir mit dem Bus nach Tallinn fuhren. Lenker quer, Vorderrad raus, wir hatten schon etwas Übung. In Tallinn übernachteten wir auf dem Zeltplatz am Marinehafen, etwas besser als der stadtnahe kommunale Zeltplatz. Dort trafen wir übrigens einige Radler, die wir schon vorher auf anderen Plätzen im Baltikum kennen gelernt hatten.

26.07. Besichtigung von Tallinn. Tallinn ist eine alte Hansestadt mit alten prachtvollen Häusern, an denen man den ehemaligen Reichtum der Stadt erkennen kann. Eine geführte Stadtbesichtigung mit Doppeldeckerbussen, die uns von anderen Radfahrern empfohlen wurde, haben wir wegen Trödelei am Morgen leider verpasst. Aber auch zu Fuß und ohne Führer findet man alle wichtigen Sehenswürdigkeiten.

 

 

27.07. Heute Rückflug: 3:00 Uhr Aufstehen, Zelt usw. einpacken, 4:00 Uhr Abfahrt vom Campingplatz, 5:00 Uhr am Flughafen. Die Fahrräder ließen wir am Flughafen in Folie einpacken und ab ging es in die Luft nach Frankfurt.

 

 

Kartenmaterial:

Für Deutschland: Veralteter Kartensatz, Radfahren in Deutschland, von Aldi, aber doch noch recht brauchbar.

Für Polen: Zur Übersicht eine MarcoPolo-Reiseguidekarte, Detailkarten im M 1:100000 gibt es örtlich.

Baltikum Übersichtskarte von MarcoPolo-Reiseguide.

Fahrradkarten vom Baltic-Cycle-Shop, Fahrradkarte Litauen (M1:650000), Estonian Cycle Routes (M1:410000) und ein relativ unübersichtliches Heft mit Kurzrouten in Lettland. Trotz des großen Maßstabes sind die beiden Fahrradkarten recht brauchbar, die Verwendung der Einzelkarten für Lettland sind gewöhnungsbedürftig.

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